Deutschland Underground

Ein Film von Károly Koller

Fernsehen der Süddeutschen Zeitung 1999 - 45 Min.

 

 

Der Film ist ein Streifzug durch das subterrane Deutschland. Er führt nicht nur in natürliche Höhlen, sondern z.B. auch in das insgesamt etwa 20.000 km lange Stollensystem aufgelassener Bergwerke, die es in Deutschland gibt. Aufgrund ihrer hohen Dichte, die sie in manchen Teilen Deutschlands, z.B. im Ruhrgebiet, erreicht haben, ist es möglich, auch heute noch unterirdisch Hunderte von Kilometern zu "reisen".

Zur Unterwelt Deutschlands gehören aber auch die Bunkersysteme Hitlers und des kalten Krieges. Unzählige sind vergessen und stehen leer. Einige wurden vor kurzem wiederentdeckt und mit neuem Leben erfüllt. Einer von ihnen, in Berlin, wird z.B. als Disco genützt und ist so Teil der "Underground"-Szene großstädtischer Subkultur geworden.

Zu einer "Sub-Kultur" im wörtlichen Sinn ist das gesamte deutsche Kulturerbe geworden, seitdem in einem ehemaligen Salzbergwerk der Staat das gesamte deutsche Wissen archiviert und auf Mikrofilmen in atombombensicheren Behältern verwahrt: Originalpartituren von Bach, und Beethoven, Kants Manuskript der "Kritik der Reinen Vernunft", alles das wird eingepuppt, gewissermaßen als Keim deutscher Kultur vergraben, damit es die Jahrhunderte überdauere. Ein Projekt, das nach dem Ende des Kalten Krieges unter Rechtfertigungsdruck geraten ist.

Im Film lernen wir aber nicht nur unterirdische Räume kennen, wir treffen vor allem eine Reihe von außergewöhnlichen Menschen, die für sich auf je andere Weise die Unterwelt entdeckt haben. Durch ihre Geschichten lernen wir das Nachtgesicht Deutschlands kennen. Auf den ersten Blick ist ihre Arbeitswelt außergewöhnlich, ihr Tun unverständ­lich, ja sogar absurd. Was bringt etwa einen Höhlenforscher dazu, für mehrere Tage, manchmal sogar für Wochen, in die 80-90 km langen Labyrinthe abzutauchen und Dunkelheit, Kälte und Gefahren auf sich zu nehmen? Was machen und wie fühlen sich Bergmänner, Kanalarbeiter, U-Bahnfahrer oder Bunker-Archivare an ihren immerdunklen Arbeitsplätzen?

Im Zentrum des Filmes stehen diese Menschen: Höhlenforscher, Bergleute, U-Bahn-Fahrer, Taucher oder Strahler. Sie alle suchen etwas unter der Erdoberfläche. Sie alle erschließen sich Räume, die in gewisser Weise Paralellwelten zu der unseren darstellen. Höhlenforscher sind manchmal nur wenige Meter unter der Erde, sind aber viele Stunden vom Eingang entfernt. So erschließen sich ihnen auch neue Zeit-Räume. Anders als am Berg kann bei einem Notfall beispielsweise kein Hubschrauber die Höhlenforscher retten. Obwohl sie manchmal nur 30-40 Meter weit weg sind, dauern Bergungen unter Tage oft mehrere Wochen. Die Erfahrung solcher Zeitinseln und Asynchronitäten ist vermutlich das faszinierendste bei allen Entdeckungsreisen in die Unterwelt.